Weichet nur, betrübte Schatten! | lucerne chamber circle

Sonntag, 8. Mai 2016 (Muttertag), 18.30 Uhr
KKL Luzern, Konzertsaal

Freiburger Barockorchester
Petra Müllejans, Violine und Leitung

Carolyn Sampson, Sopran
Andreas Wolf, Bass

Programm:

G. Ph. Telemann:

Suite f-Moll, TWV 55:f1

J. S. Bach:

Kantate «Tritt auf die Glaubensbahn», BWV 152

G. Ph. Telemann:

Concerto in F-Dur, TWV 53:F1 aus der «Musique de table»
für drei Violinen, Streicher und Continuo

J. S. Bach:

Hochzeitskantate «Weichet nur, betrübte Schatten»,
für Sopran, Oboe, Streicher und Basso continuo, BWV 202

Interview mit Carolyn Sampson

Im Fachmagazin für klassische Musik «Gramophone» wurde bereits 2004 über Carolyn Sampson geschrieben, sie sei «now the best British early music soprano by quite some distance.» Im Mai 2016 wird die englische Ausnahmesängerin zusammen mit dem Freiburger Barockorchester im KKL gastieren und zum Muttertag Werke von Johann Sebastian Bach und seinem Zeitgenossen Georg Philipp Telemann aufführen.

swiss classics: Frau Sampson, Sie sind bekannt für Ihre warme, leuchtende und geschmeidige Sopranstimme, die auch in den grössten Konzertsälen bis in die hintersten Reihen zu dringen vermag. Sie haben im Laufe Ihrer Karriere sehr viele Erfahrungen im Bereich der so genannten «Historischen Aufführungspraxis» gesammelt, und doch fühlen Sie sich in der englischen Romantik genauso zu Hause wie bei Bach, Händel oder Purcell. Was ist Ihr Geheimnis? Wie schaffen Sie es, die jeweilige Stilistik und den Ausdruck dieser ja sehr unterschiedlichen Musik so gut zu treffen?

Carolyn Sampson: Ich habe kein Geheimnis! Ich glaube, das Gespür für einen bestimmten Musikstil entwickelt man, indem man viel Musik hört und in die jeweilige Klangsprache eintaucht. Meine ersten Erfahrungen mit klassischer Musik reichen in meine Schulzeit zurück, als ich in Chören und Orchestern mitwirkte. Besonders angetan war ich von dem sinfonischen Repertoire, das wir im Bedfordshire Youth Orchestra gespielt haben (u.a. Rachmaninows 2. Sinfonie, Schostakowitschs Zehnte, ja sogar «Le sacré du printemps» von Strawinski! Als ich eines Tages eine Vorstellung von Mozarts «Zauberflöte» durch die Youth Opera erlebt hatte, war ich so begeistert, dass ich sogleich nach der Vorstellung hinter die Bühne ging und um eine Audition bat! Und so kam es zu meiner ersten Opernrolle in Purcells «Dido and Aeneas».
Durch diese ganz vielfältigen musikalischen Erfahrungen in frühen Jahren habe ich diverse Epochen und Stile kennen und schätzen gelernt. (Zurzeit höre ich gerade Diana Damraus Einspielung von Strauss-Liedern!) Zu Beginn meiner Karriere passte die so genannte «Alte Musik» perfekt zu meiner Stimme. Im letzten Jahrzehnt hat sich meine Stimme weiterentwickelt, sie ist wärmer und grösser geworden, und es ist mir gelungen, neue Klangfarben zu finden, die ich vor allem auch in ein späteres Repertoire einfliessen lassen kann. Ich achte stets darauf, meine Lieder sorgfältig auszuwählen, um meine Stimme zwar zu fordern, sie aber nicht zu überlasten.

swiss classics: Sie haben sehr viel von Johann Sebastian Bach aufgenommen, und auch zum Muttertag werden Sie im KKL zwei seiner Kantaten zur Aufführung bringen. Was verbindet Sie mit J. S. Bachs Werk? Und wie erklären Sie es sich, dass sein – inzwischen 300 Jahre altes – Œuvre eine ungebrochene Popularität geniesst? Wieso fasziniert Bachs Musik ein heutiges Konzertpublikum?

Carolyn Sampson: Nun, an Johann Sebastian Bach kommt man einfach nicht dabei, sobald man viel «Alte Musik» macht. Während meiner Karriere hatte ich das Vergnügen, diverse Werke Bachs mit Herreweghe, Suzuki, Leonhardt, Brüggen und anderen grossen Dirigenten zu interpretieren. Bachs Musik zeichnet sich durch eine unglaubliche Schönheit aus, vermag uns aber auch – wenn wir uns darauf einlassen – herauszufordern. Zu Bachs Musik gibt es einerseits einen intellektuellen, und andererseits einen emotionalen Zugang; und das ist es, was mich an seiner Musik fasziniert, und was seit Jahrhunderten auch das Publikum begeistert. Ein Schlüsselwerk Bachs für mich ist seine Matthäus-Passion. Ich singe sie fast jedes Jahr, und jedes Mal gelingt es mir, etwas Neues und Inspirierendes zu finden. Bachs Musik wird niemals langweilig!

swiss classics: Mit dem Freiburger Barockorchester haben Sie schon etliche Male konzertiert; was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit den «Freiburgern»?

Carolyn Sampson: Oh, da muss ich jetzt aufpassen, was ich sage – vielleicht lesen sie ja mit! (Lacht.) Nein, im Ernst – ich war erst vor einigen Wochen wieder an einem Konzert der Freiburger. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass das FBO das beste Barockorchester der Welt ist. In diesem Ensemble übernimmt jede einzelne Person eine tragende Rolle und ist in das Gestalten der Musik eingebunden. Dies wird aus der Interaktion zwischen den Musikern ersichtlich, und auch aus der Kommunikation mit den Solisten, die mit ihnen konzertieren. Ich liebe dieses «kammermusikalische» Musiziergefühl! Die Konzerte der Freiburger sind voller Leben, Freude an der Musik und zeichnen sich durch eine enorme Virtuosität und Präzision aus.

swiss classics: Sie sind in England geboren und aufgewachsen, haben in Birmingham studiert, gastieren regelmässig in Grossbritannien und leben heute aber mit Ihrem Mann und Kindern in Deutschland. Stellen Sie Unterschiede fest zwischen dem klassischen Konzertbetrieb im deutschsprachigen Raum und demjenigen Grossbritanniens?

Carolyn Sampson: Ich sehe keine riesigen Unterschiede zwischen dem deutschen und englischen Konzertpublikum. Natürlich besteht allerorts das Bestreben, junge Leute für den Besuch klassischer Konzerte zu begeistern. Ich hoffe, dass ich mich zukünftig vermehrt für die musikalische Bildung von Kindern werde einsetzen können – alles, was wir in diesem Bereich tun können, wird früher oder später seine Wirkung entfalten. Aber nun muss ich erst zusehen, dass sich mein Sohn ans Klavier setzt und übt...

CHF 138.- / 108.- / 70.- / 48.-
(Studierende an der Abendkasse: CHF 20.- auf die besten verfügbaren Plätze)

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